Am 27. Mai 2026 stellte das Projekt RomDialog der RAA Mecklenburg-Vorpommern im Rahmen eines Online-Fachtags die neue Handreichung „Rassismus und Antiziganismus kritisch in den Blick nehmen! Praxisimpulse für die Arbeit mit geflüchteten Menschen“ vor. Rund 30 Teilnehmende aus unterschiedlichen Arbeitsfeldern kamen zusammen, um über Antiziganismus, rassismuskritische Praxis und die Arbeit mit geflüchteten Menschen ins Gespräch zu kommen.
In der Begrüßung durch Jana Michael, Integrationsbeauftragte der Landesregierung Mecklenburg-Vorpommerns, wurde deutlich, dass Antiziganismus seit Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine in der Unterstützungs- und Beratungsarbeit noch einmal stärker hervortritt. Zugleich wurde betont: Antiziganismus ist kein Randthema, sondern berührt zentrale Fragen von Bildung, Teilhabe, Demokratie und gesellschaftlicher Gleichwertigkeit. Auch im regelmäßigen Bund-Länder-Austausch spielt das Thema eine wichtige Rolle.
Dr. Iris Wachsmuth stellte das Projekt RomDialog vor, das aufsuchende Arbeit und Beratung für geflüchtete Roma* mit Sensibilisierungsangeboten für Fachkräfte verbindet. Ziel ist es, bewusste und unbewusste Strukturen des Antiziganismus zu reflektieren und Fachkräfte im professionellen Alltag zu unterstützen.
Die Handreichung arbeitet mit 17 Fallvignetten, die an reale Praxiserfahrungen angelehnt sind. Sie laden dazu ein, Perspektivwechsel zu ermöglichen, eigene Wahrnehmungen zu prüfen und konkrete Handlungsoptionen zu entwickeln. Im Mittelpunkt steht dabei ein ressourcenorientierter Blick: Nicht vermeintliche Defizite, sondern Rechte, Erfahrungen, Kompetenzen und Selbstorganisation von Menschen aus den Communities sollen gestärkt werden.

Sara Paßquali ordnete die Handreichung als Reflexions- und Sensibilisierungsinstrument ein. Sie ersetzt keine umfassende Fortbildung, kann aber helfen, stereotype Bilder und professionelle Routinen kritisch zu hinterfragen. Besonders hervorgehoben wurde die intersektionale Dimension von Antiziganismus: Dieser ist häufig mit Klassismus verbunden, etwa durch Zuschreibungen von Bildungsferne oder Desinteresse. Bei weiblichen Roma* wirken zudem sexistische Zuschreibungen mit. Auch historische Kontinuitäten, etwa durch Versklavung und den nationalsozialistischen Völkermord, wurden als wichtige Bezugspunkte benannt.
Prof.in Dr. Júlia Wéber von der Hochschule Neubrandenburg betonte die Bedeutung von Bildung und Lehrkräfteausbildung. Antiziganismus gehört zu den Ideologien der Ungleichwertigkeit und ist damit auch für Demokratiebildung und Rechtsextremismusprävention zentral. Umso wichtiger sei es, das Thema verbindlich in Rahmenlehrplänen, Studium und Ausbildung pädagogischer Fachkräfte zu verankern. Als positive Beispiele wurden unter anderem Baden-Württemberg, Schleswig-Holstein und Bayern genannt.
Gleichzeitig wurde die Handreichung kritisch eingeordnet: Da sie mit konkreten Fallvignetten arbeitet, werden diskriminierende Zuschreibungen benannt. Dies geschieht mit dem Ziel, diese Muster reflektierbar zu machen. Gerade deshalb braucht die Arbeit mit den Materialien eine fachlich sensible Rahmung.
In der abschließenden Diskussion ging es darum, wie Antiziganismus in Mecklenburg-Vorpommern stärker öffentlich thematisiert werden kann. Die Handreichung soll nun in verschiedenen Praxisfeldern geteilt, erprobt und diskutiert werden. Im Herbst sollen Erfahrungen aus der Nutzung gesammelt, Kritik aufgenommen und nächste Schritte für die Weiterarbeit entwickelt werden.
Die Veranstaltung machte deutlich: Die neue Handreichung bietet einen praxisnahen Ausgangspunkt, um Rassismus und Antiziganismus in der Arbeit mit geflüchteten Menschen kritisch zu reflektieren und fachlichen Austausch in Mecklenburg-Vorpommern weiterzuführen.
Hier können Sie die Handreichung herunterladen: www.raa-mv.de/download/rassismus-antiziganismus-praxisimpulse





