Am 20. Februar 2026 veranstaltete das RAA-Projekt RomDialog gemeinsam mit der Referentin Éva Ádám den Online-Workshop „Vertrauen & Kommunikation – Vom Misstrauen zur Zusammenarbeit: Beziehungsgestaltung mit Roma*-Familien“. Éva Ádám brachte dabei ihre langjährige Expertise in der Arbeit mit Roma*-Communities und in der rassismuskritischen Bildungsarbeit ein. Rund 45 Fachkräfte aus Behörden, Jugendhilfe, Sozialer Arbeit, Migrationsarbeit und Zivilgesellschaft nahmen teil, um sich mit Fragen der Beziehungsgestaltung zu Roma*-Familien auseinanderzusetzen.
Zu Beginn wurde ein Blick auf die historischen Hintergründe von Misstrauen geworfen: Roma* leben seit rund 800 Jahren in Europa und sind über Jahrhunderte hinweg von Ausgrenzung, Verfolgung und struktureller Diskriminierung betroffen, vom Mittelalter über die Versklavung in Teilen Osteuropas bis hin zum nationalsozialistischen Völkermord (Porajmos). Diese Erfahrungen wirken bis in die Gegenwart nach und prägen das Verhältnis zu staatlichen Institutionen.
Im Mittelpunkt stand die Frage, was Vertrauen aus der Perspektive von Roma*-Familien bedeutet. Deutlich wurde: Vertrauen kann nicht vorausgesetzt werden, sondern entsteht durch wiederholte Erfahrungen von Respekt, Transparenz und Verlässlichkeit. Schweigen oder Rückzug sollten dabei nicht vorschnell als Desinteresse gedeutet werden, sondern können Ausdruck von Schutz, Unsicherheit oder Angst sein. Auch Machtgefälle, fehlende Transparenz und alltäglicher Antiziganismus beeinflussen die Gesprächsbereitschaft.
In Kleingruppen arbeiteten die Teilnehmenden an Praxisbeispielen aus Schule, Sozialamt und Jugendhilfe. Diskutiert wurden unter anderem die Wirkung formeller Sprache, mögliche Analphabetismus-Erfahrungen, Sprachbarrieren, institutionelle Vorgaben sowie alternative Wege der Kontaktaufnahme, wie etwa persönliche Ansprache, einfache Sprache, Dolmetschende oder aufsuchende Arbeit.
Die Diskussionen machten zudem deutlich, wie vielfältig Lebensrealitäten und Zukunftsvorstellungen von Roma*-Familien sind. Pauschale Annahmen greifen in der Praxis zu kurz. Entscheidend sind individuelle, reflektierte und dialogorientierte Zugänge.
Wir, das Team von RomDialog, danken allen Teilnehmenden für den engagierten Austausch und die Bereitschaft zur kritischen Selbstreflexion.



