„Wer von Ihnen wusste, dass es in Neubrandenburg ein Konzentrationslager hier im Wald gab? Und dass sich in Neubrandenburg sogar das größte Außenlager des Konzentrationslagers Ravensbrück befand?“
Diese Frage stellt Dr. Constanze Jaiser, Leiterin der RAA-Geschichtswerkstatt zeitlupe, 16 Berufssoldat*innen vor dem Eingang des Gedenkortes Waldbau. Vier Personen heben die Hand, die anderen schütteln den Kopf. „Das habe ich auch in meinem Geschichtsunterricht in Neubrandenburg früher nie erfahren, dass es hier ein Konzentrationslager gab“, bemerkt ein Teilnehmer der Führung.
Das Konzentrationslager „Waldbau“ wurde 1943 halbunterirdisch im Wald errichtet, teilweise von den Inhaftierten selbst. Es war als Ausweichstandort zum Neubrandenburg Stadtlager in der Ihlenfelder Straße geplant, im Wald, auch die Bäume Geschütz vor Angriffen der Alliierten. Insgesamt wurden in Neubrandenburg mindestens 7.000 Frauen und Mädchen festgehalten und zur Zwangsarbeit gezwungen. Sie arbeiteten im Rüstungskonzern Mechanische Werkstätten u.a. an Teilen für unbemannte Bomben und Raketen, die sogenannten „V1“ und „V2“. In der Stadt gab es daneben auch weitere große Zwangsarbeitslager sowie ein kleineres KZ mit männlichen Häftlingen.
Ende 2019 konnte ein Team der RAA M-V unter Leitung von Dr. Constanze Jaiser, gemeinsam mit Partnern aus der Stadt und Region und zahlreichen Ehrenamtlichen, das Gelände des ehemaligen, teilweise unterirdischen Konzentrationslagers kurz vor Neubrandenburg zugänglich machen. Außerdem entwickelte das Team, mit Mitteln des Landes Mecklenburg-Vorpommern, ein Nutzungskonzept. Zuvor war der Ort in der Region kaum bekannt. Bis heute sind im Wald zahlreiche Spuren erhalten, die auf die frühere Nutzung verweisen.
In Kooperation mit der Kulturabteilung der Stadt Neubrandenburg bietet die RAA-Geschichtswerkstatt zeitlupe in diesem Jahr Führungen für Bundeswehrgruppen an. Die Gruppe, die den Gedenkort am 23. April 2026 besucht hat, erschloss sich das Gelände über sichtbare Relikte, Mauerreste und Bodenstrukturen. Die Männer und Frauen unterschiedlicher Dienstgrade waren sehr interessiert an den von uns vermittelten geschichtlichen Zusammenhängen und konnte uns wiederum spannende Hinweise auf militärische Zusammenhänge geben. Solche Besuche sind Teil der politischen Bildung und Persönlichkeitsentwicklung innerhalb der Bundeswehr und eröffnen Räume für historische Reflexion und Verantwortung.
Neben Gruppen der Bundeswehr richten sich die Angebote auch an Schulklassen, Jugendgruppen, Familien und interessierte Einzelpersonen. Der Zugang zur Geschichte erfolgt dabei über künstlerisch-partizipative Formate: Skulpturen, Fotografien, Zitate von Überlebenden sowie musikalische und literarische Elemente werden in die pädagogische Arbeit einbezogen. Führungen und Workshops können individuell angefragt werden. Für Kinder wird eine Teilnahme ab etwa neun Jahren empfohlen. Eine eigenständige Begehung des Geländes ist nicht möglich.
Weitere Informationen sowie Materialien für den (fächerübergreifenden) Unterricht finden sich auf der Webseite der RAA-Geschichtswerkstatt zeitlupe.
Bei Interesse an einer Führung oder einem Workshop wenden Sie sich bitte an die Leiterin der Geschichtswerkstatt zeitlupe: Dr. Constanze Jaiser, constanze.jaiser@raa-mv.de. Oder auch an die Koordinatorin für Gedenkstättenarbeit der Stadt, Bianka Bülow, bianka.buelow@neubrandenburg.de.







