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Lesung mit Dr. Ilko-Sascha Kowalczuk

Seit Frühjahr 2026 führt die PfD Krakow am See & Mecklenburgische Schweiz die Reihe „Heimat“ durch, die sich intensiv mit Wurzeln, Herkunft und dem teilweise stark polarisierenden Umgang mit dem Begriff Heimat auseinandersetzt. Initiiert und organisiert wird die Reihe von der Beraterin für Demokratiestärkung und Rechtsextremismusprävention Alena E. Lyons.

Am 17. September 2026 fand im Rahmen der Reihe die mittlerweile 3. Veranstaltung statt. Dieses Mal las Dr. Ilko-Sascha Kowalczuk im Gutshaus Linstow aus seinem Buch Faschismus ist keine Meinung – Stabil bleiben in autoritären Zeiten. Die Resonanz war enorm und sprengte fast die Kapazitäten des Gutshauses. Das Publikum reiste aus den Amtsbereichen Krakow am See und Mecklenburgische Schweiz sowie aus umliegenden Städten und Landesteilen (Landkreise Rostock und Ludwigslust-Parchim, Rostock und Waren) sowie Berlin an. Die Veranstaltung wurde in Kooperation mit der Heinrich-Böll-Stiftung durchgeführt.

An der Schwelle zu autoritären Zeiten

Dr. Ilko-Sascha Kowalczuk stellte die Kernthesen seines 2026 erschienen Essays vor. Er führte aus, dass die gegenwärtige Bundesrepublik zwar grundlegend stabil sei, jedoch eine Verklärung aktueller und vergangener faschistischer Regime (darunter auch die DDR) stattfinde, die in hochgradig krisenhaften Zeiten sowie in einem schon andauernden Zustand gesellschaftlicher Zukunftslosigkeit uns an die „Schwelle zu autoritären Zeiten“ bringe. Kowalczuk unterstrich kurz vor den Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern die Rolle einer aktiven Zivilgesellschaft, um antidemokratischen Tendenzen und Menschenfeindlichkeit entschieden entgegen zu treten und ihnen nicht mit falscher Toleranz oder schlicht Passivität begegnet werden dürfe.

Beim anschließenden Publikumsgespräch wurde lange und ausführlich diskutiert. Eines der Hauptthemen dabei: Das einzige, das Gewissheit und Stabilität hat, ist das Vergangene. Also flüchten wir dorthin zurück, wenn wir mit Gegenwart und/oder Zukunft nicht zurechtkommen. Und verändern dabei unseren Blick auf Geschichte je nach Auslegung oft drastisch - Beschönigung und Verdrängung inklusive.

Aufklärung und zivilgesellschaftliche „Bubbles“

Eine zweite Frage, die selbstkritisch besprochen wurde, war die Struktur engagierter zivilgesellschaftlicher Milieus, die wie „Bubbles“ wirken. Das Publikum hinterfragte, wie eine Erweiterung dieser Räume gelingen kann, um auch Personen außerhalb bestehender Netzwerke zu erreichen und prodemokratische Gemeinschaft herzustellen.

Bei allen Veranstaltungen der Reihe Heimat wie der Vorführung des Dokumentarfilms „Im Osten was Neues“ mit anschließendem Gespräch mit der Regisseurin Loraine Blumenthal sowie der Vortrag von Andrea Röpke zum Thema „Völkische Landnahme - Eine Gefahr für die Demokratie. Rechtsextreme Jugendarbeit, Strategien und Erscheinungsbilder in der Region“ zeigten der starke Andrang, die langanhaltenden Diskussionen und der große Gesprächsbedarf, wie sehr gerade im ländlichen Kontext ein Nerv getroffen wurde.

Veröffentlicht am 25. September 2026