Frauen und Kämme – neue Gedenkzeichen errichtet

Frauen-Kamm-Silhouetten von Imke Rust am Gedenkort KZ Waldbau
Frauen-Kamm-Silhouetten von Imke Rust am Gedenkort KZ Waldbau

30.03.2020 - Große Neuigkeiten gibt es zu berichten vom Gedenkort KZ-Außenlager Neubrandenburg-Waldbau: Insgesamt acht Frauen-Kamm-Silhouetten der Künstlerin Imke Rust erinnern in besonderer symbolischer Weise an die Frauen und Mädchen, die in dem halb unterirdischen KZ im Nemerower Forst schwere Zwangsarbeit leisten mussten.
Hintergrund
Zwischen 1943 und 1945 mussten mindestens 7.000 weibliche Häftlinge aus dem Konzentrationslager Ravensbrück in den KZ-Außenlagern an der Ihlenfelder Straße und im sogenannten „Waldbaulager“ für den Rüstungsbetrieb Mechanische Werkstätten Neubrandenburg (MWN) Zwangsarbeit leisten. Neubrandenburg wurde darüber einer der großen Standorte der damals dezentralisierten Produktion der Flugbombe Fieseler Fi 103 (V1 genannt) und mutmaßlich auch der „V2-Rakete“.
Im Auftrag des Landes Mecklenburg-Vorpommern erarbeitete die RAA im Jahr 2019 ein Nutzungskonzept, um den Ort sichtbar und pädagogisch „erfahrbar“ zu machen.
Dank des Neubrandenburger Unternehmens Bautechnik Schlicht GmbH sind nun die wichtigsten Gedenkzeichen im Gelände verankert.
Die Silhouetten 
Die aus Namibia stammende und in Brandenburg lebende Künstlerin Imke Rust hat mit ihrem Entwurf eine beeindruckende Kombination von Frauen- und Kamm-Silhouetten geschaffen, die fortan im Wald in drei Farben und drei Formen leuchtet. Sie erläutert dazu: 
„Mit dem Kunstwerk möchte ich den Frauen symbolisch die Achtung zukommen lassen, die sie damals nicht bekamen. Mein Wunsch ist es ihnen ein positives Andenken zu setzen, an dem man aber auch das durchgemachte Leid erkennt.
Angelehnt an die Fundstücke der oft zerbrochenen Kämme, die sich heute im Regionalmuseum befinden, stellen meine abstrakten Frauensilhouetten eine Verbindung zwischen Frauenkörper und Kamm her.
Diese etwa lebensgroßen, abstrakten Silhouetten erinnern an einfach erkennbare, weibliche (Ur)Figuren. Sie sind wie ein Kamm flach gehalten. Die Auflösung der Figur in die Zähne der Kämme deutet auf die Vergänglichkeit, das Leid und auch unsere verblichene Erinnerung an diese Frauen und ihr Schicksal hin.“ (Imke Rust, 2019, www.imkerust.com)
Zur Geschichte von Kämmen im KZ
Die Französin Micheline Maurel, die im KZ Neubrandenburg inhaftiert war, berichtete nach ihrem Überleben über die Bedeutung von unter Lebensgefahr hergestellten Kämmen im KZ Neubrandenburg:
„Die Frauen, die noch ihr Haar besaßen, versuchten sehr rasch, sich einen Kamm zu beschaffen. Kleine Russinnen benutzten die Maschinen in der Fabrik dazu, sich Holzbretter oder Metallplättchen zurechtzuschneiden und daraus einen brauchbaren Kamm herzustellen. In Seidenpapier gewickelte Kämme dienten als Mundharmonikas. Der Kamm aus Holz kostete eine halbe Ration Brot, der aus Metall eine ganze. Aber als die Frage der Läuse immer brennender wurde, waren diese groben Kämme nicht mehr wirksam genug. Man musste, wenigstens sonntags, den "feinen Kamm" benutzen. Eine Frau hatte einen solchen von einer Polin erstanden, die Pakete bekam. Sie borgte ihn den anderen, nicht ohne von weitem darüber zu wachen. In den letzten Monaten musste man Brot geben, um Anrecht auf den "feinen Kamm" zu haben.“ (Micheline Maurel, Die Liebe besiegt alles: Bericht aus einem Frauen-KZ).
Die RAA hofft, dass sich noch Sponsoren für einige weitere Silhouetten finden lassen. Außerdem erwartet sie demnächst auch noch ein weiteres Gedenkzeichen, das die Stephanuswerke in Bad Freienwalde in liebevoller Arbeit für den Gedenkort hergestellt haben: Ein Orte-Mahnmal, das auf dem ehemaligen Appellplatz seinen Standort finden wird. Es bietet die Möglichkeit über das regionale und überregionale Netzwerk von Zwangsarbeit und Gefangenschaft ins Gespräch zu kommen.
Kontakt und nähere Informationen über das RAA-Projekt zeitlupe | Stadt.Geschichte & Erinnerung | Dr. Constanze Jaiser  | +49-(0)160-97786018