zeitlupe | Stadt.Geschichte & Erinnerung

Ein bei Fünfeichen 1975 ausgegrabener Kassiber mit Dokumenten aus dem KZ Ravensbrück … ein heimlich in einem Neubrandenburger Außenlager hergestelltes Büchlein mit handgeschriebenen Gedichten … jüdische Grabsteine, die ein Neubrandenburger Steinmetz Jahre aufbewahrt hat – die historischen Zeugnisse erzählen von einer Zeit, die von Ausgrenzung, Gewalt und Krieg geprägt war. Ihre Spuren führen ins Heute.

Eine Auseinandersetzung mit Regionalgeschichte birgt Chancen, sich über Fragen von Menschenbildern und Menschenwürde zu verständigen. Das gemeinsame Erinnern an Vergangenes öffnet Türen für eine Begegnung mit dem Fremden. Aber auch ein Bewusstsein dafür, dass der Umgang mit Geschichte(n), mit Biographien und mit Zeugnissen vor der Haustür ein Prozess ist, der immer wieder neu ausgehandelt werden muss. Je vielfältiger die Beteiligung an diesem Prozess, desto mehr werden die vier Tore zur Geschichte der Stadt Zusammenhalt und Toleranz stärken.
Mit dem Projekt möchten wir neue Ansätze der Auseinandersetzung mit lokalhistorischer Geschichte in Neubrandenburg fördern.
 
Das Symbol der zeitlupe steht für...

  • eine Spurensuche von regionaler Zeitgeschichte, die insbesondere junge Menschen unter die Lupe nehmen
  • eine selbsterforschende Bewegung rund um die Ereignisgeschichte des Zweiten Weltkriegs
  • die (Neu)Belichtung von Opfer– und Tätergeschichte, insbesondere im Hinblick auf vergessene Opfergruppen und verschwiegene Mittäterschaft
  • das Belichten scheinbar verschwundener oder vergessener Orte in Neubrandenburg und Umgebung
  • die Absicht, ein Werkzeug zu finden, das immer wieder neu den Punkt zwischen Stadt und Geschichte bunt und vielfältig zu markieren vermag
  • partizipative Methoden, damit alle in der Region eine lebendige Erinnerung mitgestalten können

Während der zunächst auf drei Jahre festgesetzten Projektphase sollen mit Praxispartnerinnen und -partnern vor Ort nachhaltige Konzepte der historisch-politischen Bildung und der Menschenrechtserziehung (weiter)entwickelt werden.
Realisierungsräume sind zum Beispiel

  • projektorientierte und selbsterforschende Arbeit mit Schulen vor Ort
  • Unterstützung der Lehrkräfte aus Neubrandenburg und der Region bei der Erprobung bereits vorhandener pädagogischer Materialien und offener, auf Beteiligung ausgerichteter Lernformen
  • Beratung und Begleitung von Pädagoginnen und Pädagogen aus schulischen und außerschulischen Einrichtungen im Hinblick auf Methodik, Didaktik und inhaltlicher Gestaltung von Angeboten zur historisch-politischen Bildung in Neubrandenburg und Umgebung
  • Entwicklung von pädagogischen Materialien zum Lagerkomplex Fünfeichen
  • Formate für deutsch-polnische Jugendbegegnungen, insbesondere mit der Neubrandenburger Partnerstadt Koszalin
  • Kooperation mit der Hochschule Neubrandenburg und städtischen Einrichtungen zur Förderung eines Dialogs zwischen Forschung, Pädagogik und Kunst
  • kulturelle Interventionen im städtischen Raum, die geeignet sind, demokratische Strukturen zu stärken und eine Werteklärung gegen Rechtsextremismus zu fördern.
Termine: 
08.12.2017 - 10.12.2017
Bibliothek Neubrandenburg, Marktplatz 1, 17033 Neubrandenburg

Das Projekt zeitlupe wird von der Freudenberg Stiftung gefördert. Das Projektbüro wird von der Neubrandenburger Wohnungsgesellschaft bereitgestellt.