30.05.2009 Norddeutsche Neueste Nachrichten: Kampf gegen Schüler-Mobbing im NetzNorddeutsche Neueste Nachrichten vom 30.05.2009 Kampf gegen Schüler-Mobbing im NetzROSTOCK - Seit zwei Jahren klärt die Rostocker Rechtsanwältin Gesa Stückmann an Schulen über die Gefahren des Internets auf. Ein Thema, das vielen unter den Nägeln brennt. Denn immer häufiger werden Schüler Opfer von Cyber-Mobbing. Gesa Stückmann kämpfte lange alleine gegen das virtuelle Übel. Als unsere Zeitung Anfang des Jahres über ihr Engagement berichtete, kam Bewegung in die Sache.
Gestern erschien Innenminister Lorenz Caffier (CDU) persönlich in Begleitung von Rostocks Oberbürgermeister Roland Methling, um Gesa Stückmann den Förderbescheid des Landesrats für Kriminalitätsvorbeugung in Höhe von 6000 Euro für ein bisher einzigartiges Modellprojekt zu überreichen. "Die Gefahren im Internet werden oft unterschätzt. Wir müssen uns dringend des Themas mit mehr Personal annehmen. Frau Stückmann hat das Thema Cybermobbing öffentlich gemacht und leistet hervorragende Arbeit", lobte der Minister ihr Engagement. Es könne nicht sein, dass Schüler das Internet missbrauchen, um andere fertig zu machen. Immer öfter werden auch in MV Schüler und auch Lehrer Opfer virtueller Gewalt. Auf für Erwachsene unzugänglichen Schülerforen wird nach Herzenslust gemobbt. Was bleibt sind tiefe seelische Wunden. Geförderte Vorträge fast ausgebucht um Kindern ihr Handeln bewusst zu machen, sucht Anwältin Gesa Stückmann seit zwei Jahren Schulen im Raum Rostock auf: "Dass ich als Anwältin und nicht als Lehrerin vor den Schülern stehe, macht Eindruck. Ich versuche den Jungen und Mädchen klar zu machen, was passiert, wenn sie im Internet andere mobben, und ich zeige weitere Gefahren im World Wide Web auf." Durch den 6000-Euro-Förderbescheid kann Gesa Stückmann ihre Aufklärungsarbeit noch intensivieren. Bisher hatte sie während ihrer Arbeitszeit die ein oder andere Schule aufgesucht. Durch das Pilotprojekt werden sich die Vorträge vervielfachen. "Bis Ende des Jahres werden 39 Vorträge gefördert", freut sie sich. "Die meisten sind schon ausgebucht. Die Nachfrage ist enorm - auch von Schulen aus anderen Städten." Um das Projekt auf ein festes Fundament zu stellen, hat sich Gesa Stückmann einen Partner gesucht und ihn in der RAA MV e. V., der Regionalen Arbeitsstelle für Bildung, Integration und Demokratie gefunden. Das Pilotprojekt wird hier angesiedelt sein. Trotz des aufrüttelnden Themas macht Gesa Stückmann die Arbeit mit jungen Leuten viel Spaß: "Die Schüler arbeiten toll mit und sprudeln über vor Fragen. Ich stelle immer wieder fest, dass einfach ganz viel Unsicherheit besteht." Nordosten als bundesweiter Vorreiter, Gesa Stückmann hat viel erreicht: Dennoch ist ihre Arbeit in Rostock ein Tropfen auf den heißen Stein. "Dieses Jahr schauen wir, wie das Pilotprojekt läuft. Und kommendes Jahr ist angedacht, es auf das ganze Land auszuweiten." Doch dafür braucht es Mitstreiter. Der Weiße Ring und das Landesinstitut für Schule und Ausbildung MV (LISA) haben schon Interesse signalisiert. Demnächst will Gesa Stückmann die Rechtsanwaltskammer ansprechen, um junge Kollegen zu gewinnen. "Wir wollen alle Kräfte, die sich mit diesem Thema beschäftigen, zusammen holen." Wenn es Gesa Stückmann gelingt, ein Netzwerk aufzubauen, dürfte sie ihrem Ziel, das Land zu einem Vorreiter im Kampf gegen Cyber-Mobbing zu machen, sehr nahe kommen. |