Die RAA in Mecklenburg-Vorpommern
Geschichte und Entwicklung
Während die RAA in Nordrhein-Westfalen - unter dem Namen "Regionale Arbeitsstellen zur Förderung von Kindern und Jugendlichen aus Zuwandererfamilien" in fast jeder größeren Stadt verankert – bereits auf eine 25jährige Geschichte zurückblicken kann, feierten die RAA in den neuen Bundesländern im Jahr 2006 ihr 15jähriges Bestehen. Das Konzept für diese Unterstützungsagenturen ist also bereits mehr als zwei Jahrzehnte alt, hat sich im Spiegel der praktischen Erfahrungen immer wieder verändert und weiterentwickelt und wird dies wohl auch weiterhin tun.
Wie schon 1980/81 in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen war es auch 1991 in erster Linie die in Weinheim/Bergstraße ansässige Freudenberg Stiftung, die den entscheidenden Anstoß zur Gründung der ersten RAA in den neuen Ländern gab und einen Großteil der Finanzierung übernahm. Anders als in Westdeutschland war es in Berlin, Brandenburg, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern allerdings nicht möglich, die RAA in die vorhandene Struktur der Schulämter zu integrieren; vielmehr wurde ein eingetragener Verein unter dem Namen „Regionale Arbeitsstellen für Ausländerfragen“ als Dach für alle Regionalstellen – zwischenzeitlich 18 an der Zahl - unter Leitung der ehemaligen Ostberliner Ausländerbeauftragten Anetta Kahane gegründet. Außerdem erforderte die Situation in den neuen Bundesländern, die schon Anfang der 90er Jahre von einer wachsenden Zahl rechtsextremistischer Gewalttaten geprägt war, einen neuen Fokus in der Ausrichtung der Praxis der RAA. Während sich in den RAA der alten Bundesrepublik der Blick vor allem auf die Integration der ausländischen Kinder und Jugendlichen in den Schulen richtete, erwies es sich im Osten Deutschlands darüber hinaus als dringliche Aufgabe, den Schulen und Jugendeinrichtungen Beratung und Begleitung, Informationen und methodisches Werkzeug, Partner und Geld zur Verfügung zu stellen, um der sie oftmals überfordernden Entwicklung von Fremdenfeindlichkeit und Gewalt wirksam begegnen zu können.
Im April 1992 kam es auch in Mecklenburg-Vorpommern zur Eröffnung einer ersten RAA. In Schwerin übernahm ein kleines Team unter Leitung von Renate Voss die Koordination des Modellversuches "Gegen Gewalt und für politische Bildung in den Schulen" der Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung (BLK) an drei Schulen in der Landeshauptstadt. 1994 folgte die Eröffnung der RAA Rostock unter Leitung von Kornelia Fuentes und 1995 auf Initiative der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung der Start der Arbeitsstelle für Schule und Jugendhilfe Mecklenburg-Vorpommern mit Sitz in Waren (Müritz) unter Leitung von Christian Utpatel. Alle drei Büros wurden zunächst als Außenstellen der Berliner RAA Neue Länder e. V. eingerichtet. 1998/99 entschlossen sich dann MitarbeiterInnen, Partner und Förderer, an den jeweiligen Standorten eigenständige Vereine zu gründen. Die RAA Rostock musste allerdings 2005 aufgrund fehlender Unterstützung durch die Hansestadt ihre Tätigkeit bis auf Weiteres beenden.
Im September 1999 kam es zur Gründung des Vereins Regionale Arbeitsstellen für Jugendhilfe, Schule und interkulturelle Arbeit (RAA) Mecklenburg-Vorpommern e. V., die - im Unterschied zu den in der Regel lokal-regional agierenden Arbeitsstellen - ihre Angebote für Schulen, Vereine etc. landesweit offeriert. Die RAA Mecklenburg- Vorpommern e. V. hat ihren Sitz in Waren (Müritz) und ist seit 2001 Träger des „Mobilen Beratungsteams für demokratische Kultur“, das seit 2007 in einer neuen Struktur, als Regionalzentren in Ludwigslust und Anklam, organisiert ist. Seit Juni 2007 arbeitet die RAA Mecklenburg- Vorpommern unter dem neuen Namen "Regionale Arbeitstelle für Bildung, Integration und Demokratie".